Co-Parenting: Wo man einen Partner findet, um gemeinsam ohne romantische Beziehung ein Kind zu erziehen

§ 01

Co-Parenting ist keine Neuigkeit, sondern eine Rückkehr zur Norm

Anthropologen weisen schon lange darauf hin, dass die Kernfamilie — ein Paar mit Kindern, das seinen Nachwuchs isoliert von der erweiterten Verwandtschaft aufzieht — eine historische Anomalie ist, keine Norm. Die Primatologin und Evolutionsanthropologin Sarah Blaffer Hrdy zeigt in ihren Arbeiten zum Ursprung des menschlichen Altruismus, dass sich Homo sapiens als 'kooperativ brütende' Art entwickelte — das heißt, ein Kind wurde traditionell gleichzeitig von mehreren Erwachsenen aufgezogen: Eltern, Großmüttern, Tanten, älteren Schwestern, Nachbarn aus der Gemeinschaft. Dieses Phänomen wird in der Anthropologie als Alloparenting bezeichnet und findet sich in der überwältigenden Mehrheit menschlicher Gesellschaften im Verlauf der Geschichte. Ein isoliertes Paar, das allein für ein Kind verantwortlich ist, ohne Unterstützung durch ein breiteres Netz von Erwachsenen, ist eine vergleichsweise junge westliche Erfindung des Industriezeitalters, als Familien mobiler wurden und sich von Gemeinschaften lösten.

Israelische Kibbuzim der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hoben die Idee der kollektiven Kindererziehung auf eine institutionelle Ebene: Kinder lebten und wuchsen oft in den gemeinsamen Kinderhäusern des Kibbuz auf, nicht ausschließlich in den Familien ihrer biologischen Eltern — ein Experiment, das historisch zeigt, dass die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind nicht unbedingt ein romantisches Paar voraussetzt, das einen gemeinsamen Haushalt 'zu zweit' führt.

§ 02

Wer sich heute für Co-Parenting entscheidet

Moderne Co-Eltern lassen sich in der Regel in mehrere breite Gruppen einteilen. Erstens Alleinstehende, die sich bewusst entschieden haben, ohne einen Ehepartner Eltern zu werden — im englischsprachigen Raum gibt es dafür den festen Begriff 'single parent by choice'. Zweitens Angehörige der LGBT-Community, für die eine Partnerschaft mit einer Person des anderen Geschlechts oder mit dem eigenen gleichgeschlechtlichen Partner für die Zeugung nicht in Frage kommt, die aber ein Kind zu zweit oder zu viert aufziehen möchten — oft in einer Konstellation, in der ein schwules und ein lesbisches Paar gemeinsam ein Kind planen, das formal zwei Elternpaare hat. Drittens Menschen, die grundsätzlich kein Interesse an romantischen Beziehungen haben (darunter ein Teil der aromantischen und asexuellen Community), aber Elternschaft durch eine bewusste Partnerschaft verwirklichen möchten, die auf gemeinsamen Erziehungswerten beruht, nicht auf Anziehung.

§ 03

Was eine Co-Parenting-Plattform von einer Dating-Seite unterscheidet

Algorithmen zur Partnervermittlung beim Co-Parenting basieren auf grundsätzlich anderen Fragen als die romantischer Apps: Statt 'gefällt mir das Aussehen' geht es um 'stimmen unsere Ansichten zu Disziplin, religiöser Erziehung, Schule, Medizin, Wohnort und finanziellem Beitrag überein'. Profile auf spezialisierten Plattformen enthalten in der Regel Abschnitte zur Bereitschaft, als Spender zu fungieren oder Spendermaterial zu nutzen, zum gewünschten Grad der Beteiligung jedes Co-Elternteils am Alltag des Kindes und zu rechtlichen Erwartungen — vom gemeinsamen Sorgerecht bis zur Rolle eines 'zweiten Elternteils' ohne formellen Elternstatus. Solche Dienste betonen meist schon im Namen und in der Beschreibung, dass es um die Suche nach einem Erziehungspartner geht, nicht um ein Date, und Formulierungen wie 'co-parenting', 'platonic parenting' oder 'Co-Elternteil finden' gehören selbst zu den häufigsten Suchbegriffen, mit denen Menschen online nach solchen Diensten suchen.

§ 04

Die rechtliche Seite: Warum Vereinbarungen wichtiger sind als die Plattform

Das Recht der Elternschaft für Co-Eltern, die nicht verheiratet sind und nicht beide biologisch mit dem Kind verwandt sind, unterscheidet sich stark von Land zu Land und sogar von Bundesstaat zu Bundesstaat innerhalb eines Landes. In manchen Rechtsordnungen kann eine gemeinsame rechtliche Elternschaft für beide Partner unabhängig von ihrem Familienstand begründet werden; in anderen wird standardmäßig nur ein Partner als rechtlicher Elternteil anerkannt, und der zweite benötigt eine Adoption oder ein eigenes gerichtliches Verfahren zur Begründung der Elternrechte. Genau deshalb empfehlen die meisten seriösen Co-Parenting-Ratgeber, schon vor der Zeugung eine ausführliche schriftliche Co-Parenting-Vereinbarung (parenting agreement) aufzusetzen — ein Dokument, das finanzielle Verpflichtungen, Entscheidungsverfahren, den Wohnort des Kindes und ein Verfahren zur Konfliktlösung beschreibt — und sie von einem Familienanwalt genau in der Rechtsordnung beglaubigen zu lassen, in der das Kind tatsächlich leben wird.

§ 05

Spender, bekannt und anonym: eine weitere Entscheidungsebene

Eine eigene Kategorie von Co-Parenting-Vereinbarungen entsteht dort, wo einer der Partner nicht als gleichberechtigte Bezugsperson auftritt, sondern als Samen- oder Eizellenspender mit einem bestimmten Grad an Beteiligung am Leben des Kindes — von vollständig anonymer Spende bis zu einem aktiven 'Spender-Papa', der das Kind regelmäßig besucht. Länder regeln das Recht des erwachsenen Kindes, die Identität des Spenders zu erfahren, sehr unterschiedlich: In Großbritannien etwa ist Samenspende seit 2005 für künftige Kinder standardmäßig nicht anonym, während in anderen Ländern die Anonymität des Spenders verbindliche Norm bleibt. Vor Beginn der Suche nach einem Co-Parenting-Partner lohnt es sich, für sich selbst klar festzulegen, welches Modell — gleichberechtigte gemeinsame Erziehung oder eine Spendervereinbarung mit begrenzter Beteiligung — jede Seite anstrebt, denn eine Diskrepanz dieser Erwartungen bleibt einer der häufigsten Gründe für spätere Konflikte.

§ 06

Wo Menschen in der Praxis nach einem Co-Elternteil suchen

§ 07

Fünf Fehler bei der Suche nach einem Co-Elternteil

§ 08

Co-Parenting ist nicht nur Kennenlernen, sondern ein Team von Fachleuten

Den richtigen Partner zu finden, ist nur der erste Schritt: Der eigentliche Weg zur Geburt eines Kindes erfordert fast immer ein ganzes Team von Fachleuten, nicht nur zwei künftige Eltern. Ein Familienanwalt wird benötigt, um die Co-Parenting-Vereinbarung aufzusetzen und den Elternstatus jeder Seite rechtlich abzusichern; ein Reproduktionsmediziner oder eine Fertilitätsklinik kümmert sich um die medizinische Seite der Zeugung, besonders wenn Spendermaterial verwendet wird; ein auf alternative Familienmodelle spezialisierter Psychologe hilft, Erwartungen frühzeitig zu besprechen und das Risiko von Konflikten zu verringern, die sonst erst nach der Geburt des Kindes zutage treten. Plattformen, die sich auf die reine Partnervermittlung beschränken und keinen Zugang zu einem solchen Netzwerk von Fachleuten bieten, lassen künftige Co-Eltern mit dem schwierigsten Teil des Weges allein — deshalb lohnt es sich, bei der Wahl eines Dienstes nicht nur auf den Matching-Algorithmus zu achten, sondern auch darauf, was nach dem Kennenlernen angeboten wird: rechtliche Begleitung, medizinische Beratung, psychologische Unterstützung und manchmal auch Bildungsmaterial zu Kompatibilitätsgenetik und reproduktiver Gesundheit.

Co-Eltern denken oft auch an das größere, längerfristige Bild: Welche Herkunftsgeschichte wird ein Kind kennenlernen, das in einer nicht traditionellen Familienstruktur aufwächst, und wie lässt sich diese Geschichte sinnvoll statt verwirrend gestalten? Viele Co-Parenting-Communitys überschneiden sich mit einem Interesse an Genealogie — dem Erstellen eines Stammbaums, der Erkundung dessen, was zur Lebenszeit der Vorfahren in der Welt geschah, manchmal sogar der Aufbereitung dieser Recherche als Buch für das Kind — als Weg, einem künftigen Familienmitglied ein stabiles Gefühl von Wurzeln zu geben, unabhängig von der Form, in der diese Familie entstanden ist.

§ 09

Checkliste vor Beginn der Suche

Co-Parenting ohne romantische Beziehung ist keine moderne Anomalie, sondern die Rückkehr zu einem unserer Art seit langem bekannten Modell verteilter Fürsorge für den Nachwuchs — nur in einer neuen, bewusst geplanten Form. Klare Vereinbarungen am Anfang — über Werte, rechtlichen Status und den Grad der Beteiligung jeder Seite — entscheiden darüber, ob eine solche Partnerschaft zu einer stabilen Grundlage für die Erziehung eines Kindes über Jahrzehnte wird.

Bei MAPASGEN ist der Fragebogen zur Co-Eltern-Vermittlung um Werte, Erwartungen an die Beteiligung an der Erziehung und rechtliche Präferenzen aufgebaut, nicht um Aussehen oder romantische Chemie. Die Community vereint Menschen, die Co-Parenting als ein eigenständiges, geplantes Projekt verstehen, nicht als Nebeneffekt einer romantischen Beziehung.

§ 10

Glossar

Co-Parenting — eine Partnerschaft zwischen zwei oder mehr Erwachsenen, die gemeinsam ein Kind erziehen, ohne eine romantische Beziehung miteinander zu haben.

Single parent by choice — eine Person, die sich bewusst entschieden hat, ohne Ehepartner Elternteil zu werden.

Alloparenting — ein anthropologischer Begriff für die Beteiligung von Erwachsenen, die nicht die biologischen Eltern eines Kindes sind, an dessen Erziehung.

Co-Parenting-Vereinbarung (parenting agreement) — ein schriftliches Dokument, das die Pflichten, finanziellen Bedingungen und Entscheidungsverfahren von Co-Eltern vor der Zeugung eines Kindes festlegt.

Spender- und Geschwisterregister (donor sibling registry) — eine Datenbank, die es Familien, die Spendermaterial nutzen, ermöglicht, einander und die Halbgeschwister ihrer Kinder zu finden.