1825 entdeckte der junge tschechische Physiologe Jan Evangelista Purkyně in Prag unter seinem Mikroskop etwas, dem vor ihm kaum jemand besondere Beachtung geschenkt hatte: Im Innern einer Vogeleizelle erkannte er ein großes, rundes Gebilde, das er Keimbläschen nannte. Heute wissen wir, dass es sich dabei um den Zellkern der Eizelle handelt — und Purkyněs Entdeckung war einer der ersten echten Schritte zum Verständnis dessen, was im Inneren einer weiblichen Geschlechtszelle in den allerfrühesten Phasen des Lebens tatsächlich geschieht. Purkyně sollte später für weitere berühmte Entdeckungen bekannt werden — die Purkinje-Zellen im Kleinhirn, die Schweißdrüsen —, doch diese frühe Arbeit mit einer Vogeleizelle wurde zu einem der Grundsteine der Reproduktionsbiologie.
Zweihundert Jahre später fand sich Purkyněs Heimatland im Zentrum einer ganz anderen, aber thematisch verwandten Geschichte wieder: Tschechien wurde zu einem der gefragtesten Ziele Europas für Menschen, die eine Eizellspenderin suchen oder eine Leihmutterschaft in Betracht ziehen. Schauen wir uns an, warum das so gekommen ist und wie diese Verfahren in Tschechien in der Praxis tatsächlich aussehen.
Dahinter stehen mehrere durchaus praktische Gründe. Tschechien gehört zum Schengen-Raum, sodass die Anreise aus den meisten europäischen Ländern nur wenige Stunden dauert und keine Visumshürden bestehen. Im Land arbeiten mehr als dreißig IVF-Kliniken, viele davon betreuen ausländische Patientinnen in mehreren Sprachen und verfügen über eingespielte Logistik — von der ersten Videosprechstunde bis zur Abstimmung der Flüge auf die Termine des Behandlungsprotokolls. Und natürlich spielt der Preis eine Rolle: Die Behandlung in Tschechien ist bei vergleichbarer medizinischer Qualität deutlich günstiger als in Großbritannien, Deutschland oder Frankreich.
Die Eizellspende ist in Tschechien legal, streng reguliert und beruht auf gegenseitiger Anonymität: Weder die Empfängerin noch das spätere Kind erfahren die Identität der Spenderin, und die Spenderin erhält keine Information darüber, wer ihre Eizellen erhalten hat. Das Modell ist offiziell altruistisch — Spenderinnen werden für mit dem Verfahren verbundene Kosten entschädigt, nicht im eigentlichen Sinne bezahlt, wobei die Höhe dieser Entschädigung in Tschechien in der Praxis zu den spürbarsten in Europa zählt. Spenderinnen sind Frauen zwischen 18 und 35 Jahren, die ein medizinisches und psychologisches Auswahlverfahren durchlaufen, das mit dem in anderen EU-Ländern üblichen weitgehend vergleichbar ist.
Bevor eine Kandidatin in den Spenderinnen-Pool einer Klinik aufgenommen wird, durchläuft sie mehrere Prüfstufen. Zunächst steht eine allgemeine medizinische Untersuchung samt Beurteilung der Ovarialreserve an — AMH-Wert und antrale Follikelzahl, dieselben Tests, die wir bereits in einem früheren Artikel behandelt haben —, da Kliniken Spenderinnen mit einer verlässlich guten Reaktion auf die Stimulation bevorzugen, um in einem einzigen Zyklus genügend Eizellen zu gewinnen. Danach folgt ein erweitertes genetisches Trägerschafts-Screening auf häufige Erbkrankheiten, ein Karyotyp sowie ein Test auf sexuell übertragbare Infektionen. Ein psychologisches Gespräch beurteilt, wie bewusst die Frau ihre Entscheidung zur Spende trifft und ob sie deren Endgültigkeit wirklich versteht. Erst nach allen bestandenen Stufen gelangt eine Spenderin in den aktiven Pool, aus dem Empfängerinnen nach Blutgruppe, Rhesusfaktor und meist auch nach wichtigen phänotypischen Merkmalen wie Haar- und Augenfarbe oder Körperbau zugeordnet werden.
Für Empfängerinnen bedeutet das: Wenn ihnen eine konkrete Spenderin vorgeschlagen wird, hat diese bereits ein recht gründliches Auswahlverfahren durchlaufen — einer der Gründe, warum Patientinnen aus Ländern mit einem dünneren oder weniger formalisierten Spenderinnen-Pool nach Tschechien gezogen werden.
Bei der Leihmutterschaft ist die Lage deutlich weniger eindeutig. Tschechien hat kein eigenes Gesetz, das die Leihmutterschaft unmittelbar regelt — sie ist nicht verboten, aber auch nicht als eigenständiges Rechtsinstitut verankert. Nach geltendem Familienrecht gilt stets die Frau, die das Kind geboren hat, als dessen Mutter, unabhängig davon, wessen Eizelle bei der Zeugung verwendet wurde. Das bedeutet: Eine Vereinbarung mit einer Leihmutter hat keine unmittelbare Rechtskraft — formal bleibt sie die rechtliche Mutter des Kindes, bis weitere rechtliche Schritte abgeschlossen sind.
Erlaubt ist nur die altruistische Form der Leihmutterschaft: Eine Leihmutter kann für tatsächliche Kosten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt entschädigt werden, jedoch nicht im eigentlichen Sinne entlohnt werden. Kommerzielle Leihmutterschaft — also eine Bezahlung über die Kostenerstattung hinaus — kann formal als strafbare Kindesweitergabe gegen Entgelt ausgelegt werden. 2024 und 2025 wurden im tschechischen Parlament Gesetzentwürfe eingebracht, die den rechtlichen Status der Leihmutterschaft endlich klären sollen, doch bislang existiert sie weiterhin in einem Zustand von „nicht verboten, aber auch nicht gesetzlich geschützt“.
In Tschechien ist nur die gestationelle Leihmutterschaft zulässig: Die Leihmutter trägt einen Embryo aus, der mit ihr genetisch überhaupt nicht verwandt ist — entstanden aus der Eizelle und dem Spermium der Wunscheltern oder unter Verwendung von Spenderzellen. Die traditionelle Leihmutterschaft, bei der die Leihmutter zugleich die genetische Mutter des Kindes ist, wird in der tschechischen Praxis gerade wegen der zusätzlichen rechtlichen und ethischen Komplikationen, die sie mit sich bringt, nicht angewendet.
Agenturen und Kliniken, die mit internationalen Patientinnen arbeiten, unterhalten in der Regel einen Pool bereits geprüfter Leihmütter — Frauen, die schon eigene Kinder haben (was gesundheitliche Risiken senkt und die Fähigkeit bestätigt, eine Schwangerschaft auszutragen) und die vor Programmstart eine medizinische und psychologische Untersuchung sowie eine Rechtsberatung durchlaufen. Dank dieses bestehenden Pools dauert die Vermittlung einer passenden Leihmutter laut spezialisierten Agenturen meist nur wenige Wochen bis ein paar Monate — deutlich schneller als in Ländern ohne eine solche etablierte Infrastruktur.
Viele tschechische Programme kombinieren beide Elemente — Eizellspende und Leihmutterschaft — in einem einzigen Paket, besonders für Paare, bei denen die Wunschmutter sowohl medizinische Kontraindikationen gegen eigene Eizellen als auch gegen das Austragen einer Schwangerschaft hat. In diesem Fall ist das Kind genetisch mit der Eizellspenderin und in der Regel mit dem Vater verbunden (sofern sein Sperma verwendet wird), während die austragende Leihmutter genetisch überhaupt keine Verbindung zum Kind hat.
Da die Leihmutter standardmäßig die rechtliche Mutter ist, müssen die genetischen Wunscheltern ein zusätzliches rechtliches Verfahren durchlaufen, um ihre eigenen Elternrechte zu sichern. Üblich ist folgender Ablauf: Der Wunschvater erkennt die Vaterschaft an (ein relativ unkomplizierter Schritt, besonders wenn er der genetische Vater des Kindes ist), und der andere Wunschelternteil durchläuft anschließend ein Adoptionsverfahren, um Elternrechte für das von der Leihmutter ausgetragene Kind zu erhalten. Nach Erfahrung spezialisierter Agenturen dauert der gesamte Weg — von der Vermittlung der Leihmutter bis zum Abschluss aller rechtlichen Formalitäten — etwa 16 bis 18 Monate.
Die Kosten eines Leihmutterschaftsprogramms in Tschechien unterscheiden sich deutlich danach, ob eine Spender-Eizelle benötigt wird, wie viele Embryotransfer-Versuche im Paket enthalten sind und ob eine vollständige rechtliche Betreuung „aus einer Hand“ eingeschlossen ist. Nach Angaben spezialisierter Rechtsberater kostet ein Standardprogramm rund 70.000 Euro, ein Programm mit Erfolgsgarantie und vollständiger rechtlicher Begleitung rund 90.000 Euro. Das ist deutlich günstiger als in den USA, wo vergleichbare Programme häufig über 150.000 Dollar liegen, aber teurer als in der Ukraine, die nach wie vor eines der günstigsten Ziele Europas bleibt.
| Land | Leihmutterschaft | Eizellspende |
|---|---|---|
| Tschechien | Nicht durch ein eigenes Gesetz geregelt, rechtliche Grauzone, nur altruistische Form | Legal, anonym, altruistisches Modell |
| Spanien | Verboten | Legal, anonym; größter Spenderpool Europas |
| Ukraine | Erlaubt für heterosexuelle Ehepaare | Legal |
| Griechenland | Erlaubt, gerichtliche Genehmigung erforderlich | Legal, anonym |
| USA (einzelne Bundesstaaten) | Erlaubt, auch kommerziell | Legal, kann nicht-anonym sein |
Für Nutzerinnen und Nutzer der Plattform erweist sich Tschechien oft als eine der ersten Optionen bei der Suche nach einer Spenderin oder Leihmutter — dank einer gelungenen Kombination aus Zugänglichkeit, gut entwickelter medizinischer Infrastruktur und im Vergleich zu Westeuropa relativ moderaten Preisen. Doch genau die Kombination „die Medizin ist gut aufgestellt, das Recht nicht“ macht dieses Land zu einem Fall, in dem die eigene Vorbereitung mehr zählt als fast überall sonst: Es lohnt sich, frühzeitig die Staatsbürgerschaftsfrage des künftigen Kindes zu klären, mit einer Anwältin oder einem Anwalt zu besprechen, wie die Elternrechte im eigenen Heimatland anerkannt werden (dies deckt sich nicht automatisch mit dem tschechischen Verfahren), und im Budget nicht nur das medizinische Protokoll selbst, sondern auch die rechtliche Begleitung einzuplanen — die bei Leihmutterschaftsprogrammen keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist.
Vor zweihundert Jahren entdeckte ein tschechischer Wissenschaftler einen winzigen Zellkern in einer gewöhnlichen Vogeleizelle — und öffnete damit eine Tür zur Wissenschaft darüber, wie Leben entsteht. Heute hat sich diese Wissenschaft im selben Land zu einer gut funktionierenden medizinischen Praxis entwickelt: Kliniken wissen, wie man Spenderinnen findet, Zyklen synchronisiert und Embryotransfers auf einem wirklich hohen fachlichen Niveau durchführt. Das Recht hinkt der Medizin allerdings noch hinterher — besonders bei der Leihmutterschaft, die eher in der Praxis existiert als auf dem Papier. Wer Tschechien für das eigene Programm in Betracht zieht, sollte beiden Seiten dieses Wegs gleich viel Aufmerksamkeit schenken: der medizinischen, die wirklich gut funktioniert, und der rechtlichen, bei der Entscheidungen frühzeitig und mit professioneller Unterstützung vorbereitet werden müssen.