Die Archive existieren. Die Aufzeichnungen haben überlebt — auch jene, die zu verschwinden schienen. Die Suche nach Vorfahren in Russland, der Ukraine, Polen, den baltischen Staaten und Weißrussland ist eine eigene Disziplin mit eigenen Regeln und eigenen Möglichkeiten.
Als die Familie Weiss aus Chicago begann, ihre Genealogie zu erforschen, hatten sie wenig: einen bei der Einwanderung veränderten Nachnamen, den Namen eines Schtetls irgendwo 'in Russland' und eine vage Erinnerung der Großmutter daran, dass die Familie vor der Revolution 'gut gelebt' hatte. Nach zwei Jahren Forschung stellte sich heraus: Die Familie stammte aus Grodno (heute Weißrussland), in den Matrikelbüchern der lokalen Synagoge war die Geburtsurkunde des Urgroßvaters von 1887 erhalten, und in den Revisionsschriften von 1858 fanden sich Namen seines Vaters und Großvaters. Die Weisses fanden sechs Generationen.
Das ist keine Ausnahme. Die sowjetische Macht bewahrte Dokumente sorgfältig — nicht aus Respekt vor der Geschichte, sondern aus Verwaltungsdisziplin. Heute sind diese Archive teilweise geöffnet, teilweise digitalisiert und zugänglich.
Matrikelbücher sind die wichtigste Quelle für Genealogie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie wurden von Kirchengemeinden drei Konfessionen geführt: orthodox, katholisch und jüdisch (Synagogenregisterbücher). Wo suchen: RGIA in St. Petersburg, regionale Staatsarchive, GARF. Für die Ukraine: Zentralarchive, viel digitalisiert und zugänglich über das Ukrderzharchiv-Portal. FamilySearch hat vor 1991 enorme Mengen ukrainischer Matrikelbücher mikrogefilmt. Revisionslisten (revizskie skazki): Bevölkerungszählungen 1718–1858, unschätzbar für die Zeit vor Matrikelbüchern. Polen: Szukaj w Archiwach (staatliches Portal) und Geneteka (freiwillige Datenbank).
Genealogie in Russland und Osteuropa ist eine komplexe, aber wirklich machbare Aufgabe. Die Dokumente existieren. Die Archive funktionieren. Die Kombination aus Archivquellen, DNA-Tests und spezialisierten Freiwilligendatenbanken ermöglicht es heute, Familiengeschichten über sechs bis acht Generationen zurückzuverfolgen.