Episode 5 · Premium

Die Zukunft der Reproduktionstechnologien: Therapie, Bearbeitung oder Design?

Episode 5 · MAPASGEN · Premium-Material

Niveau: Experte · Thema: Reproduktionstechnologien, Bioethik, Genombearbeitung

Im Jahr 2018 verkuendete der chinesische Wissenschaftler He Jiankui, er habe die ersten genetisch bearbeiteten Menschen der Welt geschaffen — Zwillingsmaedchen, deren Embryonen er mit der CRISPR-Cas9-Technologie bearbeitet hatte. Das Ziel war medizinisch: das Risiko einer HIV-Infektion zu senken. Die Reaktion der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft war fast einhellig — Verurteilung. He Jiankui wurde zu drei Jahren Gefaengnis verurteilt. Aber die Frage, die er aufgeworfen hatte, ist nicht verschwunden: Wo liegt die Grenze zwischen Behandlung und Design?

Teil 1. Karte der Technologien: Was heute existiert

Ebene 1. Standard — PGT (praeimplantatorische Gentestung)

Wird im Rahmen der IVF seit mehr als 30 Jahren eingesetzt. Ein Embryo wird biopsiert — einige Zellen werden auf chromosomale Anomalien oder spezifische Mutationen analysiert. Die Technologie veraendert das Genom nicht — sie selektiert nur unter dem Vorhandenen.

Rechtsstatus: in den meisten entwickelten Laendern erlaubt.

Ebene 2. Fortgeschrittene Grenze — mitochondriale Spende

Im Detail im PRO-Material beschrieben. Stand 2025 in Grossbritannien und Australien legalisiert. Veraendert das mitochondriale Genom (0,1 % der DNA), aber nicht das Kerngenom.

Ebene 3. Experimentell — Keimbahnbearbeitung (CRISPR)

Veraenderung des Kerngenoms eines Embryos. Im Gegensatz zu PGT, das selektiert, schafft die Bearbeitung eine neue DNA-Sequenz, die keiner der Elternteile hatte.

Rechtsstatus: fuer klinische Anwendung in fast allen Laendern der Welt verboten.

Warum verboten: Die Technologie ist unvollkommen. Off-target-Effekte — unbeabsichtigte Veraenderungen in anderen Genomabschnitten — bleiben ein erhebliches Risiko. Ausserdem werden die Veraenderungen von allen Nachkommen geerbt.

Teil 2. Der Fall He Jiankui: Was schiefgelaufen ist

Er Jiankuis Argumentationsweise wirkte medizinisch: Der Vater der Zwillinge war HIV-positiv. Das Gen CCR5 kodiert ein Protein, ueber das HIV in Immunzellen eindringt. Logik: Bearbeite CCR5 — schuetze die Kinder vor HIV.

Die Probleme, die He ignorierte:

  1. Das Risiko war nicht begruendet. Moderne antiretrovirale Medikamente reduzieren das Risiko einer HIV-Uebertragung vom Vater auf das Kind auf praktisch null.
  2. Die CCR5-Deletion ist nicht harmlos. Studien zeigen, dass Traeger der CCR5-Deletion eine erhoehte Anfaelligkeit gegenueber einigen anderen Viren haben.
  3. Off-target-Bearbeitung. Spaetere Analyse der Experimentdaten zeigte Anzeichen von Mosaizismus.
  4. Fehlende informierte Einwilligung. Die Eltern wurden nicht vollstaendig ueber die Risiken und Alternativen informiert.

Teil 3. Wo die ethische Grenze liegt

Teil 4. Was als naechstes kommt: Technologien am Horizont

Abschliessender Gedanke: Jede dieser Technologien stellt dieselbe Frage in neuer Form: Wer hat das Recht, Entscheidungen ueber das Genom eines noch nicht geborenen Menschen zu treffen? Die Antwort auf diese Frage wird nicht nur die Medizin bestimmen, sondern auch die Gesellschaft in einigen Generationen.

MAPASGEN — der Podcast ueber Genetik, die Ihr Leben bereits veraendert.