Bei der reziproken IVF – im Englischen ROPA genannt, was für 'Reception of Oocytes from Partner' steht – entnimmt man der einen Partnerin die Eizellen, befruchtet sie mit Spendersamen und überträgt den entstandenen Embryo in die Gebärmutter der anderen. Eine Frau ist die genetische Mutter, die andere trägt das Kind aus und bringt es zur Welt. Beide sind biologisch beteiligt – wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.
Das Verfahren läuft in mehreren Schritten ab. Die Eizellenspenderin durchläuft eine hormonelle Stimulation über zehn bis vierzehn Tage, gefolgt von einer Follikelpunktion unter Kurznarkose. Die gewonnenen Eizellen werden im Labor mit Spendersamen befruchtet. Nach drei bis fünf Tagen Kultivierung wird der entwicklungsfähigste Embryo in die vorbereitete Gebärmutter der tragenden Partnerin übertragen.
ROPA eignet sich für Paare, bei denen beide Partnerinnen aktiv teilnehmen möchten – und keine medizinischen Gegenanzeigen für ihre jeweilige Rolle hat: die Spenderin für Stimulation und Punktion, die Trägerin für Schwangerschaft und Geburt. Das Alter der Eizellenspenderin ist entscheidend: Unter 35 Jahren sind die Ergebnisse deutlich besser. Ist eine Partnerin älter als 38 bis 40, sollte in der Klinik offen besprochen werden, wer welche Rolle übernimmt.
ROPA ist teurer als eine Standard-IVF mit Spendersamen, weil es sich um zwei Behandlungsverläufe handelt: Stimulation und Punktion bei der einen, Endometriumvorbereitung und Transfer bei der anderen. In Spanien, wo das Verfahren seit Jahren etabliert ist, kostet ein vollständiger Zyklus zwischen 6.000 und 9.000 Euro ohne Spendersamen. In Deutschland ist ROPA rechtlich nicht möglich, da das Embryonenschutzgesetz die Eizellspende verbietet – selbst innerhalb einer Partnerschaft. Viele Paare reisen deshalb ins europäische Ausland.
Rechtlich ist die Situation in Deutschland klar: ROPA ist hierzulande verboten. Das bedeutet nicht, dass deutsche Paare diese Option nicht wahrnehmen – aber sie tun es in einer anderen Rechtssphäre. Nach der Rückkehr müssen Elternschaft und Abstammung nach deutschem Recht geregelt werden. Das erfordert Rechtsbeistand, der beide Länder kennt.
Die emotionale Dimension von ROPA wird häufig unterschätzt. Paare beschreiben das Verfahren als zutiefst verbindendes Erlebnis: Beide sind körperlich beteiligt, jede auf ihre Weise. Gleichzeitig kommen bei manchen Partnerinnen Gefühle auf, die besprochen werden sollten – die Spenderin fragt sich manchmal, wie es sich anfühlt, nicht schwanger zu sein; die Trägerin, welche Verbindung sie zur Genetik hat. Diese Gespräche, offen geführt, stärken die Partnerschaft.
Die Wahl des Spenders unterscheidet sich nicht grundlegend von einer Standard-IVF. Das Paar wählt gemeinsam aus dem Angebot der Samenbank – anonym oder mit Identitätszugang – nach Gesundheitsprofil, Phänotyp und, wo vorhanden, einer Sprachprobe. Wichtig ist zu prüfen, ob der gewählte Spender den Anforderungen der Klinik an Blutgruppe und genetisches Screening entspricht.
Eingefrorene Embryonen sind ein festes Element des ROPA-Protokolls. Wenn mehrere gute Eizellen gewonnen werden, entstehen oft mehrere Embryonen. Was mit ihnen passiert, wenn die Partnerschaft auseinanderbricht, eine Partnerin stirbt oder kein zweites Kind gewünscht wird, muss schriftlich geregelt sein – am besten vor Beginn der Behandlung.
ROPA ist nicht der einzige Weg für lesbische Paare. Alternativen sind eine Standard-IVF mit Spendersamen (eine Partnerin trägt das Kind und ist genetisch verbunden), die IUI (einfacher und günstiger, wenn medizinisch indiziert) und Co-Parenting mit einem bekannten Spender. Was das Richtige ist, hängt von den individuellen Ergebnissen, dem Budget, dem rechtlichen Kontext und dem gemeinsamen Wunsch ab.
Für viele Paare ist ROPA mehr als ein medizinisches Verfahren. Es ist eine Entscheidung, die sagt: Wir machen das zusammen. Jede von uns ist ein Teil davon. Diese symbolische Dimension ist real – und für viele Paare einer der tragenden Gründe, warum sie den aufwändigeren Weg wählen.
Tausende bauen bereits Familien nach ihren Vorstellungen.
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