Das Spermiogramm ist eine standardisierte Analyse des Ejakulates, die mehrere Schlüsselparameter bewertet. Konzentration: WHO-Referenzwert (2021) mindestens 16 Millionen Spermien pro Milliliter. Motilität: mindestens 42 % bewegliche Spermien (Kategorien A+B). Morphologie: mindestens 4 % Spermien mit normaler Form nach strengen Kruger-Kriterien. Gesamtzahl im Ejakulat: mindestens 39 Millionen.
Die drei wichtigsten Störungen: Oligozoospermie (zu wenig Spermien), Asthenozoospermie (geringe Beweglichkeit), Teratozoospermie (hoher Anteil abnormer Formen). Sie treten häufig zusammen auf — dann spricht man vom OAT-Syndrom. Azoospermie — das vollständige Fehlen von Spermien — ist die schwerste Form.
Ein wichtiger Hinweis: Das Spermiogramm ist eine Momentaufnahme. Die Spermienqualität schwankt erheblich und hängt von Erkrankungen der letzten drei Monate ab (so lange dauert die Spermatogenese), von Stress, Temperatur und Alkohol. Ein schlechtes Ergebnis ist Anlass für eine Wiederholung nach zwei bis drei Monaten — kein Grund zur Panik.
Varikozele — Erweiterung der Venen des Samenstrangs — ist die am häufigsten festgestellte Ursache männlicher Unfruchtbarkeit (bis zu 40 % der Fälle). Sie erhöht die Temperatur im Hodensack, was die Spermatogenese stört. Sie ist chirurgisch behandelbar, und in einigen Fällen verbessern sich die Spermienparameter nach der Operation.
Hormonelle Störungen: Mangel an FSH, LH oder Testosteron beeinträchtigt die Spermienproduktion. Hyperprolaktinämie, Schilddrüsenfunktionsstörungen — all das beeinflusst die Spermatogenese. Wichtig: Die Einnahme von anabolen Steroiden unterdrückt das körpereigene Testosteron und kann zur Azoospermie führen — oft reversibel nach dem Absetzen, aber nicht immer.
Obstruktive Azoospermie: Spermien werden produziert, können aber wegen einer Blockade des Samenleiters nicht austreten. Ursachen: Infektionen (Chlamydien, Gonorrhö), Operationen, kongenitales Fehlen des Samenleiters (bei Mukoviszidose). In diesen Fällen werden Spermien direkt aus dem Hoden entnommen (Biopsie) und für die ICSI verwendet.
Infektionen und Entzündungen: Orchitis, Epididymitis, Mumps im Erwachsenenalter — alle können dauerhafte Folgen für die Spermatogenese hinterlassen. STIs (Chlamydien, Mykoplasmen) verringern die Spermienmotilität.
Genetische Faktoren: Y-chromosomale Mikrodeletionen, Klinefelter-Syndrom (47,XXY) — Ursachen schwerer Oligozoospermie oder Azoospermie. Bei bestimmten Mutationen (AZFa-, AZFb-Deletionen) ist eine chirurgische Spermiengewinnung nicht möglich.
Lebensstil: Rauchen senkt Konzentration und Motilität der Spermien. Alkohol beeinträchtigt die Morphologie. Übergewicht stört durch erhöhte Östrogenspiegel den Hormonhaushalt. Überhitzung (heiße Bäder, Sauna, Laptop auf dem Schoß) senkt die Spermienqualität vorübergehend — die Hoden arbeiten optimal bei 2 bis 4 °C unter Körpertemperatur.
Das Spermiogramm ist der Ausgangspunkt, nicht das vollständige Bild. Bei Auffälligkeiten sind erweiterte Tests angezeigt: MAR-Test (Antisperma-Antikörper), DNA-Fragmentierung der Spermien, Hormonstatus (FSH, LH, Testosteron, Prolaktin, TSH), genetische Tests (Karyogramm, Y-chromosomale Deletionen).
Die DNA-Fragmentierung ist ein besonders wichtiger Parameter, der im Basis-Spermiogramm fehlt. Eine hohe Spermien-DNA-Fragmentierung senkt die Befruchtungsrate und erhöht das Fehlgeburtsrisiko — auch bei normal erscheinenden Grundparametern. Einige Paare mit unerklärlicher Unfruchtbarkeit oder wiederholten Fehlgeburten finden die Ursache genau hier.
Hodenultraschall: Visualisiert Varikozele, Hodenvolumen, Nebenhodenstruktur. Geringes Hodenvolumen (<15 ml) bei Azoospermie ist ein ungünstiges prognostisches Zeichen.
Wenn eine Ursache gefunden wird, wird sie behandelt. Chirurgische Korrektur der Varikozele, Antibiotika bei Infektionen, Hormontherapie bei Hypogonadismus, Absetzen von Anabolika mit anschließender Kontrolle.
Wenn keine Ursache gefunden wird oder eine Behandlung nicht möglich ist, kommen assistierte Reproduktionstechnologien zum Einsatz. ICSI ermöglicht eine Befruchtung auch bei extrem niedrigen Werten — sogar bei einzelnen Spermien. Bei obstruktiver Azoospermie werden Spermien aus Hoden oder Nebenhoden gewonnen (TESA, PESA, Mikro-TESE) und für die ICSI verwendet.
Antioxidative Therapie: Vitamin C, E, CoQ10, Zink, Selen — werden bei idiopathischer Verschlechterung der Spermienparameter eingesetzt. Die Datenlage ist uneinheitlich, aber einige Metaanalysen zeigen mäßige Verbesserungen von Motilität und Morphologie nach drei bis sechs Monaten.
Männliche Unfruchtbarkeit ist weder selten noch ein Grund zur Scham. Sie ist eine medizinische Frage mit verständlichen Mechanismen und echten Lösungen. Das Spermiogramm ist ein einfacher, schneller Test, der gleichzeitig mit der Untersuchung der Frau durchgeführt werden sollte — nicht danach.
Bei festgestellten Auffälligkeiten ist eine Konsultation beim Andrologen oder Urologen-Andrologen unerlässlich. Bei schweren Störungen beurteilt der Reproduktionsmediziner die ICSI-Möglichkeiten. Bei genetischen Befunden ist vor jeder Behandlung eine humangenetische Beratung erforderlich.
Azoospermie — vollständiges Fehlen von Spermien im Ejakulat. Kann obstruktiv (Produktion vorhanden, Austritt blockiert) oder nicht obstruktiv (gestörte Produktion) sein.
Asthenozoospermie — Spermienmotilität unterhalb des WHO-Referenzwerts.
DNA-Fragmentierung — Ausmaß der Schädigung des Erbmaterials im Spermium. Hohe Fragmentierung senkt die Erfolgsrate der Befruchtung und erhöht das Fehlgeburtsrisiko.
ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) — Einbringen eines einzelnen Spermiums direkt in die Eizelle. Methode der Wahl bei schwerem männlichem Faktor.
Oligozoospermie — Spermienkonzentration unterhalb des WHO-Referenzwerts (weniger als 16 Mio./ml).
Spermatogenese — Prozess der Spermienbildung, der etwa 72 bis 74 Tage dauert. Deshalb spiegeln sich Erkrankungen oder äußere Einflüsse erst zwei bis drei Monate später im Spermiogramm wider.
Teratozoospermie — hoher Anteil von Spermien mit abnormer Morphologie (über 96 % nach strengen Kriterien).
Varikozele — Erweiterung der Venen des Samenstrangs. Häufigste chirurgisch behebbare Ursache männlicher Unfruchtbarkeit.
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