Im Jahr 2023 kamen weltweit schätzungsweise 20.000 bis 25.000 Kinder durch Leihmutterschaft zur Welt. Die genaue Zahl ist unbekannt — ein globales Register gibt es nicht. Allein das sagt einiges über diese Branche aus: Sie ist global, kaum standardisiert und wird von Land zu Land völlig unterschiedlich geregelt.
Für männliche gleichgeschlechtliche Paare ist Leihmutterschaft mehr als ein medizinischer Eingriff. Es ist ein rechtliches, finanzielles und emotionales Projekt, das typischerweise anderthalb bis zwei Jahre dauert — wobei die Medizin nur ein Teil davon ist. Und das Erste, was man verstehen muss: Das Land, in dem man lebt, und das Land, in dem das Verfahren stattfindet, sind zwei verschiedene Rechtsordnungen — jede mit eigenen Anforderungen.
So funktioniert es: die medizinische Seite
Leihmutterschaft für ein männliches Paar schließt fast immer zwei Spenderinnen ein: eine Eizellspenderin und eine Leihmutter, die die Schwangerschaft ausführt, aber genetisch nicht mit dem Kind verbunden ist. Das nennt man gestierende Leihmutterschaft.
Die typische Abfolge:
Auswahl der Eizellspenderin — über eine Bank oder Agentur. Die Spenderin durchläuft eine medizinische und genetische Untersuchung, eine ovarielle Stimulation und eine Eizellentnahme.
Befruchtung — Spermien eines oder beider Partner (getrennt oder gemischt, je nach Absprache) befruchten die Eizellen der Spenderin im Labor.
IVF und Präimplantationsdiagnostik — Embryonen werden 5–6 Tage kultiviert und bei Bedarf einer PGT-A (Chromosomenscreening) oder PGT-M (Screening auf bestimmte genetische Erkrankungen) unterzogen.
Embryotransfer zur Leihmutter — nach Vorbereitung ihres Endometriums. In der Regel wird ein einzelner Embryo übertragen.
Schwangerschaft und Geburt — im Land des Verfahrens. Die Wunscheltern reisen in der Regel kurz vor dem errechneten Geburtstermin an.
Dokumentation — Ausstellung der Geburtsurkunde und des Reisepasses des Kindes im Geburtsland; danach rechtliche Anerkennung der Elternschaft im Wohnsitzland.
Jeder dieser Schritte ist ein eigenständiges Verfahren, ein eigenständiger Vertrag und ein eigenständiger Kostenpunkt.
Wo es für gleichgeschlechtliche Paare möglich ist
Stand: Anfang 2025. Gesetze ändern sich — vor Entscheidungen bitte einen Anwalt sowohl im Land des Verfahrens als auch im Wohnsitzland konsultieren.
„Veorfügbar“ und „sicher“ bedeuten nicht dasselbe. Länder mit günstigeren Programmen bieten oft weniger rechtliche Absicherung. Das ist kein Argument dagegen — sondern ein Argument für gründliche rechtliche Vorbereitung.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Der Preisrahmen für Leihmutterschaft ist einer der undurchsichtigsten Teile des gesamten Themas, weil Agenturen häufig einen „Grundpreis“ veröffentlichen, der die Hälfte der tatsächlichen Ausgaben nicht enthält. Hier ist, was wirklich in die Gesamtkosten einfliesst:
Medizinische Kosten
Stimulation und Eizellentnahme bei der Spenderin: 3.000–8.000 $
Befruchtung und Embryokultur: 3.000–6.000 $
PGT-A (falls durchgeführt): 2.000–4.000 $ pro Embryocharge
Endometriumvorbereitung und Embryotransfer: 2.000–4.000 $
Schwangerschaftsbetreuung der Leihmutter: im Paket enthalten oder separat — immer nachfragen
Geburt: 2.000–15.000 $ je nach Land und Geburtsart
Vergütung und Erstattungen
Vergütung der Leihmutter: 15.000–40.000 $ (länderabhängig; bei altruistischen Programmen nur Kostenerstattung)
Vergütung der Eizellspenderin: 5.000–20.000 $
Krankenversicherung der Leihmutter für die Schwangerschaft: 2.000–8.000 $
Rechtliche und Agenturkosten
Agenturhonorare (Koordination, Vermittlung der Leihmutter): 15.000–35.000 $
Anwaltskosten im Verfahrensland: 3.000–8.000 $
Anwaltskosten im Wohnsitzland: 2.000–6.000 $
Zusätzliche Dokumentationskosten: variabel
Sonstiges
Flüge und Unterkunft (mehrere Reisen): 3.000–10.000 $
Rücklage für Unvorhergesehenes: empfohlen werden 10.000–20.000 $
Realistischer Gesamtrahmen in den USA: 120.000–180.000 $. In Kanada und Großbritannien etwas weniger, da keine kommerzielle Vergütung der Leihmutter anfällt — dafür höhere Betriebskosten. In Ländern mit weniger entwickeltem Rechtsrahmen günstiger im Einstieg, aber mit höherem rechtlichem und unvorhergesehenem Risiko.
Der häufigste Fehler: die Anerkennung im Heimatland
Hier unterläuft den meisten Paaren der gravierendste Fehler: Sie prüfen die Rechtslage im Verfahrensland sorgfältig — und die Rechtslage im Wohnsitzland gar nicht.
Ein deutsches Paar schließt ein Leihmutterschaftsverfahren in Kalifornien ab. Das Kind wird in Kalifornien geboren, mit zwei rechtlichen Vätern — per amerikanischem Gerichtsbeschluss noch vor der Geburt festgestellt. Das Paar kehrt nach Deutschland zurück.
Deutschland erkennt Leihmutterschaft nicht an — und erkennt den amerikanischen Beschluss über die Vaterschaft nicht automatisch an. Der biologische Vater wird über einen DNA-Test als Elternteil anerkannt. Der nicht-biologische Vater muss das Kind durch deutsche Familiengerichte adoptieren. Das dauert zwischen einem und anderthalb Jahren. In dieser Zeit hat er auf deutschem Boden keinen rechtlichen Elternstatus.
Dieselbe Dynamik gilt in Frankreich, Spanien (speziell für Leihmutterschaft) und Belgien. Jedes Land hat eigene Regeln für die Anerkennung im Ausland begründeter Elternschaft.
Eine Beratung durch einen Anwalt im Wohnsitzland ist keine Option — sie ist ein notwendiger Schritt, der vor Beginn jedes Verfahrens erfolgen muss, nicht danach.
Die emotionale Seite: was in keiner Broschüre steht
Das Leihmutterschaftsverfahren ist langwierig und voller Ungewissheit. Es ist kein geradliniger Weg von A nach B — sondern eine Reise mit Pausen, Rückschlägen und viel Warten.
Die Suche nach einer Leihmutter kann Wochen bis Monate dauern. Nicht jede Kandidatin erfüllt die medizinischen Kriterien; nicht jede Kombination fühlt sich stimmig an.
Der erste Embryotransfer muss nicht zur Schwangerschaft führen. Die Erfolgsquote pro Transfer liegt bei rund 40–60 %, je nach Alter der Spenderin und Qualität der Embryonen. Bereiten Sie sich auf die Möglichkeit eines zweiten Versuchs vor.
Distanz und Kontrollverlust. Den Großteil der Schwangerschaft verbringen Sie in einem anderen Land — abhängig von jemandem, den Sie kaum kennen, in einer Situation, die Sie kaum steuern können. Das ist eine sehr spezifische Art von Schwierigkeit.
Die Beziehung zur Leihmutter verdient ein eigenes Gespräch. Erwartungen gehen hier weit auseinander: Manche Leihmutter möchte nach der Geburt in Kontakt bleiben, andere nicht. Das sollte vorab besprochen und im Vertrag festgehalten werden.
Studien zeigen: Paare, die eine Leihmutterschaft durchlaufen haben, beschreiben sie im Nachhinein als schwieriger als erwartet — und als richtiger als vorstellbar.
Drei Dinge, die vor dem Start erledigt werden müssen
Anwalt im Wohnsitzland konsultieren — zur Frage, wie die Elternschaft bei der Rückkehr anerkannt wird. Vor Beginn des Verfahrens, nicht danach.
Beide Partner sollten ein erweitertes Carrier-Screening durchführen lassen — die Ergebnisse beeinflussen die Wahl der Eizellspenderin (siehe unseren Artikel zum Carrier-Screening).
Mehrere unabhängige Angebote von Agenturen einholen — und eine vollständige Kostenaufstellung verlangen, nicht nur den Basispreis. Die Unterschiede zwischen den enthaltenen und nicht enthaltenen Leistungen können Zehntausende Dollar ausmachen.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische oder rechtliche Beratung dar. Kosten und Gesetzgebung entsprechen dem Stand von Anfang 2025.